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Besucherzentrum für die Grabkapelle auf dem Württemberg

Bild: Besucherzentrum Grabkapelle

Bild: Besucherzentrum Grabkapelle

Bild: Lageplan

Bild: Besucherzentrum Grabkapelle

Bild: Besucherzentrum Grabkapelle

Fotos: Rose Hajdu Fotografie, Stuttgart 

  

Beschreibung

Besucherzentrum und Wohnung im ehemaligen Priesterhaus

Im Jahr 1820 bereits entsteht außerhalb der Ortschaft Rotenberg das Wohnhaus für den russisch-orthodoxen Priester und zwei Sänger, die ihre täglichen Fürbitten für die verstorbene Königin in der Grabkapelle abhalten sollten. Diese Villa erhält unter anderem einen hochwertigen, mit Wasseralfinger Gussplatten belegten Altan. Bewusst als Vorankündigung, im Kontext zum südlichen Portal der Grabkapelle, bekommt sie ihren bedeutenden, zugleich wachenden und dienenden Platz zugewiesen. Der historische Bau ist in seinen Strukturen gut erhalten. Im Laufe der Jahrzehnte erfolgten bescheidene Anpassungen an den jeweils zeitgemäßen Wohnkomfort. Jetzt wurde die Wohnung des früheren Verwalterehepaars in das lange leerstehende Obergeschoss verlegt. Die bereits 1829 aus Platznot zugemauerte Vorhalle im Erdgeschoss wurde wieder geöffnet und damit ein repräsentativer und wettergeschützter Eingangsbereich vor dem Empfangsraum des neuen Besucherzentrums geschaffen.

Das Gesamtensemble

Der frühe Tod seiner Gemahlin Katharina veranlasste König Wilhelm I., die Stammburg auf dem Württemberg abtragen zu lassen und im Jahr 1820 eine Kapelle mit Grablege für seine Familie zu errichten. Hofbaumeister Giovanni Salucci entwarf ein Mausoleum im klassizistischen Stil mit Gartenanlage, die sich, ganz der Topographie des Neckartales folgend, zwischen Weinbergen, Streuobstwiesen und Baumgruppen einfügt. Salucci schafft ein Ensemble, das sich in Baustil und Materialität als Einheit präsentiert.

Raumkonzept Besucherzentrum

Das Erdgeschoss wird als Besucherzentrum mit Shop- und Kassenbereich, kleiner Ausstellung und Seminarraum sowie barrierefreiem Eingang und Sanitärraum der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Im Untergeschoss befinden sich die Haustechnik und die neuen Besuchertoiletten. Der Gewölbekeller bleibt steinsichtig und wird zum Substanzerhalt ganzjährig klimatisiert.

Sanierungskonzept

Eine moderne Zentralheizung erlaubt die adäquate Nutzung des Obergeschosses als Wohnung. Historische Dielenböden, bauzeitlich erhaltene Stuckdecken sowie verputzte Wände und Holzlambrien wurden sorgfältig restauriert. In Anlehnung an das Verbliebene wurden für technische Medien auch moderne Wandbekleidungen, eingestellte Elemente und Mobiliar geplant, die das historische Ambiente respektieren. Durch den Rückbau des mit Schiefer gedeckten Daches in seine ursprüngliche Form wird der von zwei Sandsteinsäulen getragene Altan wieder sichtbar gemacht. Die bauzeitlichen Materialien und Konstruktionsmerkmale sind größtenteils erhalten und erlaubten den denkmalverträglichen Umbau ohne Rekonstruktionen auf Saluccis Bauwerk.

Außenanlagen

Die Neugestaltung orientiert sich in ihrer Grundstruktur zum einen am vorgefundenen Bestand, zum anderen an einem überlieferten Lageplan aus der Bauzeit der Anlage, der Giovanni Salucci zugeschrieben wird. Deutlich erkennbar ist die ovale Fläche um das Gebäude sowie der Serpentinenpfad, der es direkt mit der Grabkapelle verbindet. Diese Elemente konnten anhand historischer Fotografien und baulicher Funde nachvollzogen werden. Die aktuelle Gestaltung verbindet behutsam historische Formen und Materialien mit den heutigen Nutzungsanforderungen an ein zeitgemäßes Besucherzentrum.

Ökonomiegebäude

Das ursprüngliche, von Salucci geplante kleine Waschhaus wurde 1874 erweitert und zum Wohnhaus aufgestockt. Sein authentischer Erhaltungszustand war Grund für eine schonende Restaurierung ohne Rückbaumaßnahmen und ohne Modernisierungsanspruch. Künftig stehen die Räume dem Verwaltungspersonal und den jungen Besuchern im Rahmen der museumsdidaktischen Angebote als ein Zeugnis für „Wohnen im 19.Jahrhundert“ zur Verfügung.

Projektdaten

Bauherr: Land Baden-Württemberg, vertreten durch den Landesbetrieb Vermögen und Bau Baden-Württemberg, Amt Stuttgart

Nutzer: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg

Planung und Bauleitung Gebäude: Peter Zürn Architekten, Stuttgart

Tragwerksplanung: Ingenieurbüro Bogenschütz, Stuttgart

Bauphysik: IB Dr. Rieche und Dr. Schürger, Fellbach

HLS Klima: IBG Ingenieurbüro Carsten Gönner, Sindelfingen

Elektroplanung: HPG G. Schork, Stuttgart

Beleuchtungsplanung: Belzner Holmes LDE, Stuttgart

Planung Außenanlagen Besucherzentrum: Vermögen und Bau Baden-Württemberg, Amt Ludwigsburg

Objektplanung und Bauleitung Außenanlagen: Frank Hornikel Landschaftsarchitekt, Sindelfingen

Kommunikationsdesign: Emde Gestaltung, Stuttgart

Vermessung: Z&M 3D Welt, Amtszell

Tier- und Landschaftsökologie: Dr. Jürgen Deuschle, Köngen

Denkmalexperten: Bauhistorische Dokumentation Büro Markus Numberger, Esslingen

Restauratorische Arbeiten: Reinhold Berger, Vellberg; Hans u. Annette Cabanis, Esslingen; Willi Clauss, Ostfildern; Cornelia Jenz, Kürnbach; Kenter & Lambor, Frauenzimmern; Eberhard Scharpf, Esslingen; Juliane Weigele, Stuttgart

Denkmalpflegerische Begleitung: Landesamt für Denkmalpflege, Regierungspräsidium Stuttgart zusammen mit der Unteren Denkmalschutzbehörde, Stadtplanungsamt Stuttgart

Baukosten:
Besucherzentrum und Wohnung im ehemaligen Priesterhaus: 1.700.000 Euro
Ökonomiegebäude: 340.000 Euro
Freianlagen Besucherzentrum: 450.000 Euro

Bauzeit: 11/2011 - 02/2017

Feierliche Eröffnung: 06. April 2017


 Flyer

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